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Der Fischotter ist Tier des Jahres 2021

Deutsche Wildtier Stiftung: Dieser Wassermarder ist ein Alleskönner!

Fischotter auf einem Baumstamm sitzend (Foto: Christian Deckmann)

Fischotter auf einem Baumstamm sitzend (Foto: Christian Deckmann)

Er ist Meisterschwimmer, Pelzträger, Fischliebhaber und jetzt auch Tier des Jahres 2021: der Fischotter (Lutra lutra). Der Einzelgänger mit Schwimmflossen zwischen den Zehen ist ein vielseitiges Wildtier: Kaum ein anderes Säugetier verbindet die Elemente Land und Wasser so perfekt wie er. Wo Otter sich wohlfühlen, ist die Natur noch intakt. An stehenden und fließenden Gewässern mit natürlich bewachsenen und schilfreichen Uferzonen findet der wendige Wassermarder Unterschlupf und Nahrung. Doch verbaute und kanalisierte Gewässer, trockengelegte Feuchtgebiete und die Vernichtung von Uferrandzonen minimieren die Überlebenschance dieser Art.

„Die Deutsche Wildtier Stiftung hat den Fischotter zum Tier des Jahres 2021 gekürt, um darauf aufmerksam zu machen, wie gefährdet er selbst und seine Lebensräume sind“, erklärt Hilmar Freiherr von Münchhausen, Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung. Wie viele Otter es in Deutschland gibt, lässt sich laut der Experten schwer schätzen. Fest steht nur: Im Osten Deutschlands ist er häufiger zu finden als im Rest der Republik und es gibt eine Tendenz zur weiteren Ausbreitung.

Fische, Krebse, Schnecken und Insekten stehen auf der Speisekarte des Otters. „Nur in sauberen Gewässern mit strukturierten Uferrandzonen findet der Wassermarder ein ausreichendes Nahrungsangebot. Leider sind diese Lebensräume in unserer Kulturlandschaft selten“, so der Geschäftsführer. Wie dramatisch sich die Situation des Fischotters im Lauf der Geschichte verändert hat, lässt sich auch an den Ortsnamen ablesen. So gibt es in Rheinland-Pfalz zahlreiche Orte, wie etwa Otterbach und Otterberg, die das Wildtier im Namen tragen.

„Früher waren Fischotter so zahlreich, dass ihr Vorkommen eine ganze Region prägte. Heute lässt sich das Tier des Jahres 2021 in Rheinland-Pfalz überhaupt nicht mehr nachweisen“, so Münchhausen.

Leicht hatte es der Otter nie. Sein dichtes Fell wurde ihm früher oft zum Verhängnis. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Fischottern nachgestellt, um an den kostbaren Pelz zu kommen. Das dichte Fell mit bis zu 140 Millionen Haaren war heiß begehrt. Obendrein wurden die Wildtiere als Schädlinge bejagt, weil sie sich an Fischteichen bedient haben. Zusätzlich ertranken viele Otter in Fischreusen. Heute ist es der Straßenverkehr, der ihnen zum Verhängnis wird. Fischotter haben eine Eigenart, die sie aus dem Wasser an Land treibt: Sie schwimmen nicht unter Brücken hindurch. Stattdessen verlassen sie das Gewässer und überqueren die Straße. Dabei geraten sie oft unter die Räder.

„Eine ottergerechte Gestaltung von Brücken ist notwendig, um den Fischotter vor dem drohenden Unfalltod im Straßenverkehr zu bewahren“, erläutert Münchhausen. Die Deutsche Wildtier Stiftung setzt sich für den Bau sogenannter „Berme“ ein. „Das sind schmale, aus Holzplanken gebaute Pfade, die wie ein Laufsteg angelegt sind und die der Otter nutzen kann, um trockenen Fußes unter der Brücke hindurchzulaufen.“

Mit der Wahl zum „Tier des Jahres 2021“ soll der Fischotter mit all seinen Problemen für ein Jahr im Rampenlicht stehen, damit in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für seine Bedürfnisse geschaffen wird. Die letzten drei Tiere des Jahres waren: 2020 der Maulwurf (Talpa europaea), 2019 das Reh (Capreolus capreolus) und 2018 die Wildkatze (Felis silvestris).

 

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Wildtier Stiftung vom 01. Dezember 2020, Hamburg

 
 
 
 

Estland halbiert den Wolfsbestand

Raubtier-Hotspots lösen auch in Schweden eine neue Lizenzjagd-Debatte aus 

Bis zu 140 Wölfe sollen in diesem Winter in Estland erlegt werden (Beispielbild: iStock.com)

Bis zu 140 Wölfe sollen in diesem Winter in Estland erlegt werden (Beispielbild: iStock.com)

Was in der Europäischen Union so möglich ist: Estland hat angekündigt seinen Wolfsbestand in diesem Winter zu halbieren. Schwedens Regierung stellt die erneute Zulassung der regulären Lizenzjagd auf Wölfe zur Debatte.

Klar ist: Wie alle baltischen Republiken hat sich Estland bei den EU-Beitrittsverhandlungen das Recht ausbedungen, über die Raubtierpolitik souverän zu entscheiden. Das passiert jetzt: Im laufenden Winter soll die Hälfte der dort lebenden Wölfe geschossen werden.

Offizielle Begründung: Es gilt die natürliche Scheu der Raubtiere vor dem Menschen zu bewahren und Schaden von Haus- und Nutztieren abzuwenden. Bis zu 140 Tiere sollen dafür ihr Leben lassen – die bisher höchste Abschussquote seit Estlands EU-Beitritt.

Die Umweltbehörde begründet das Vorhaben mit Rissschäden in besonders betroffenen Regionen. Und damit, dass die Wölfe dort, wo sie Menschen und ihre Siedlungen meiden, ihre Ruhe haben sollen. Im vergangenen Jahr töteten Wölfe in Estland laut offizieller Statistik 477 Schafe, 15 Rinder und 12 Hunde.

Am anderen Ufer der Baltischen See hat Schwedens rot-grüne Minderheitsregierung eine neue Debatte um die reguläre Lizenzjagd auf Wölfe angestoßen: Die Stockholmer Staatskanzlei verweist in einem Diskussionspapier auf die vom Reichstag nach einer Expertenanhörung festgelegten Bestandsgrößen, die einen „günstigen Erhaltungszustand“ der Wolfspopulation garantieren sollen.

Auch in Schweden liegen die Bestandszahlen deutlich über diesem Richtwert von 270 Wölfen, der mittlerweile unter dem Druck einschlägiger Verbände in der Praxis auf 300 Tiere angehoben wurde. Auch im vergangenen Winter wurde die Lizenzjagd trotz noch höherer Bestände abgesagt. Aber nun wächst offenbar der Gegendruck, vor allem aus der Landwirtschaft.

Das aktuelle Regierungspapier verweist auf die Schwierigkeiten mit regional sehr hohen Wolfsdichten und die in solchen Gebieten sinkende Akzeptanz. Das gilt nicht nur für die Rentiergebiete, die mit dem Segen der EU wolfsfrei gehalten werden sollen, sondern auch für dichter besiedelte Bereiche, etwa um die Städte Borlänge und Örebro.

 
 
 
 
 

Fellwechsel: Neuanfang ohne Deutscher Jagdverband und Prämien

am
Dienstag, 01.12.2020 - 08:00
Für Bälge will Fellwechsel künftig kein Geld mehr zahlen. © YuliaB - stock.adobe.com
Für Bälge will Fellwechsel künftig kein Geld mehr zahlen.

Im Juli wurde bekannt, dass die Fellwechsel GmbH ihre Produktion aufgrund finanzieller Schwierigkeiten einstellen musste. Nun soll es mit Fellwechsel weitergehen. Wie der Landesjagdverband Baden-Württemberg berichtet, hat die Fellwechsel GmbH ihr operatives Geschäft größtenteils an die neu gegründete Fellwechsel Vertrieb GmbH mit Sitz in Schleswig-Holstein übertragen. Unter dem bisherigen Logo soll wie bisher produziert und die Produkte vermarktet werden. Der Deutsche Jagdverband werde sich jedoch als Gesellschafter zurückziehen.

Keine Prämien mehr für Erleger

Wie Fellwechsel berichtet, hätten einige Landesjagdverbände bereits zugesagt, die Balg-Sammlungen zu organisieren und durchzuführen. Einer davon ist der Verband aus Baden-Württemberg. Der LJV gab dazu in einer Pressemitteilung an: „Das Präsidium des Landesjagdverbandes Baden-Württemberg e.V. (LJV) hat beschlossen, dass wir den Gedanken der nachhaltigen Nutzung von erlegtem Raubwild auch weiterhin unterstützen wollen.“ Dazu habe man mit der Fellwechsel Vertrieb GmbH eine vertragliche Vereinbarung geschlossen. Man werde die Sammlung der erlegten Tiere in registrierten Sammelstellen in Baden-Württemberg organisieren. Zweimal im Winter werde eine Leerung der Sammelstellen und ein Transport ins Zwischenlager nach Raststatt organisiert. Von dort erfolgt dann die Abholung zur Weiterverarbeitung in Schleswig-Holstein, so der LJV.

Erlegtes Raubwild von Jägern, die ihre Bälge gegerbt zurückhaben und selbst nutzen wollen, werden weiterhin in Baden-Württemberg verarbeitet. Für Tiere, die durch die Fellwechsel Vertrieb GmbH verarbeitet werden, können jedoch künftig keine Prämien mehr gezahlt werden. Bereits 2019 hatte die alte Fellwechsel GmbH die Bezahlung für Bälge von Fuchs, Nutria und Bisam eingestellt.

 
 
 
 

Land.Vielfalt.Leben.

Der Bundeswettbewerb für insektenfreundliche Landwirtschaft im Rahmen des ‚Aktionsprogramm Insektenschutz‘ startet.

Land.Vielfalt.Leben. (Quelle: BMEL)

Land.Vielfalt.Leben. (Quelle: BMEL)

Insektenschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Viele Akteure aus unterschiedlichen Bereichen – so auch die Landwirtschaft – sind gefragt, bei der Umsetzung von mehr Insektenschutz mitzuwirken. Und gerade die Landwirtschaft hat daran ein ureigenes Interesse: Sie ist massiv auf ein intaktes Insektenleben angewiesen – zahlreiche Blühstreifen oder Vertragsnaturschutz betreiben viele Landwirte bereits heute. Einige Insektenarten kommen in Deutschland zudem nur vor, weil Landschaften kultiviert werden.

Die Landwirte leisten hier also bereits erhebliche Anstrengungen und verfügen über ein großes Erfahrungswissen. Das will die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, sichtbar machen und fördern. Im Rahmen des ‚Aktionsprogramm Insektenschutz‘ startet die Ministerin den vereinbarten Bundeswettbewerb „Land.Vielfalt.Leben.“. Er zeichnet vorhandenes Engagement zum Schutz der Insekten in der Landwirtschaft aus. Bewerbungen sind bis zum 28. Februar 2021 unter www.land-vielfalt-leben.de möglich. Es gibt Preisgelder von bis zu 5000 Euro.

Bundesministerin Klöckner: „Viele Landwirte setzen sich bereits seit Jahren aktiv für den Erhalt der biologischen Vielfalt ein – mit vorbildlichen Aktivitäten. Mit dem Wettbewerb wollen wir dieses Engagement würdigen und stärken. Davon profitieren alle.“   

Welche Maßnahmen werden prämiert?

Prämiert werden besonders erfolgreiche, praxisbewährte sowie zukunftsweisende Maßnahmen zum Insektenschutz als auch gezielt kombinierte Maßnahmen für den Insektenschutz.

  • Bereitstellung Nahrung & Habitat
    • Ausweitung und Pflege von Nahrungsangeboten für Insekten in der Agrarlandschaft, gezielte Kombination von Nahrungsangeboten mit Nistmöglichkeiten und Lebensräumen für Insekten, Schutzmaßnahmen für Gewässer und weitere sensible Biotope als Insektenlebensraum
  • Unterstützung der ökologischen Leistungen von Insekten im Produktionssystem
    • Vorbildliche Umsetzung von Insektenschutzmaßnahmen in landwirtschaftlichen Betrieben und Flächen, Insektenschonende Mahd und Beweidung von Grünland, Einsatz neuer, verbesserter technischer Lösungen für eine insektenfreundliche Bewirtschaftung oder um negative Auswirkungen der Bewirtschaftung zu reduzieren.
  • Zusammenarbeit zur Förderung des Insektenschutzes im Agrarbereich
  • Wirksame Öffentlichkeitsarbeit für insektenfreundliche Methoden und Arbeitsweisen

 

Wer gewinnt?

Ausgezeichnet werden insgesamt sechs Preisträger, je drei in diesen zwei Kategorien:

1. Kategorie: Preis für die besten Maßnahmen eines landwirtschaftlichen Einzelbetriebes

2. Kategorie: Preis für die besten Maßnahmen einer Kooperation, wie beispielsweise des Zusammenschlusses eines oder mehrerer landwirtschaftlicher Betriebe mit anderen Akteuren aus der Region wie Vereinen, Verbänden, Kommunen, Imkereien, Bürgerinnen und Bürgern oder Naturschutzinitiativen

 

Wer bewertet?

Die unabhängige Jury, die durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft berufen wurde, setzt sich aus fünf Vertreterinnen und Vertretern der Wissenschaft, der Landwirtschaft sowie des Umweltschutzes zusammen.

 Quelle: PM des BMEL vom 30. Nov 2020, Berlin

 
 
 
 
 

Forschung nach ASP-Impfstoff anschieben

Bayerns Landwirtschaftsministerin Kaniber schlägt vier konkrete Maßnahmen vor

Wildschwein im Wald (Foto: Tommy_Rau)

Wildschwein im Wald (Foto: Tommy_Rau)

Angesichts der dramatischen Lage auf dem Schweinesektor hat Bayerns Agrarministerin Michaela Kaniber in einem Schreiben an Bundesministerin Julia Klöckner vier konkrete Vorschläge für wirksame Maßnahmen unterbreitet:

„Was an Erfolgen bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen das COVID-19-Virus möglich war, sollten wir auch bei der Afrikanischen Schweinepest (ASP) versuchen. In einer gemeinsamen Anstrengung von EU, Bund und Ländern sollten wir die Forschung für einen Impfstoff gegen den ASP-Erreger nochmals kräftig anschieben“, sagte die Ministerin im Anschluss an eine Videokonferenz der Bundesministerin mit den Bundesländern. Um der Branche zu helfen, müsse man sowohl kurzfristig wirksame Maßnahmen als auch langfristige Strategien in den Blick nehmen.
Zur sofortigen Entspannung auf der Produktions- und Schlachtseite braucht es laut Kaniber Lösungen für eine schnelle Marktentlastung, vor allem im Bereich der Spanferkel-Altersklasse. Sie schlägt in ihrem Schreiben an die Bundesministerin vor, die Beihilfen zur privaten Lagerhaltung auf diese Altersgruppen zu konzentrieren. „Dadurch kann ein Schlachtschweinestau schon im Frühstadium verhindert werden, gleichzeitig können bei ohnehin sehr knappen Lagerkapazitäten mehr Schlachtkörper zwischengelagert werden“, so die Ministerin.
Außerdem schlägt sie vor, die anlaufende Modernisierung der Zuchtsauenställe mit einem Abbremsen bei der Erzeugung neuer Ferkel zu verbinden. Betriebe, die jetzt in eine Modernisierung ihrer Sauen- und Ferkelaufzuchtställe investieren, sollten einen Förderzuschlag dafür erhalten, wenn sie während der Umbauphase ihre Produktion spürbar zurückfahren oder vorübergehend einstellen.
Ein dringendes, wenn nicht überlebensnotwendiges Signal wäre nach Überzeugung der bayerischen Ministerin ein Stallbau-Beschleunigungsgesetz. Damit könnten Neu- und Umbaumaßnahmen, die aus Tierwohlgründen notwendig sind, deutlich beschleunigt werden. Der derzeit vorliegende und von der Bundesregierung beschlossene Entwurf zu einem Baulandmobilisierungsgesetz sollte dafür genutzt und entsprechend ergänzt werden.
Als eine strategisch sehr wichtige Maßnahme fordert Kaniber die verstärkte Anstrengung von Bund und EU zur Entwicklung eines Impfstoffs gegen den ASP-Erreger. „Eine Immunisierung der Hausschweinebestände gegen den Erreger könnte die Vermarktung und den Export aus der EU in Drittstaaten erleichtern und am Ende zu einer dauerhaften Lösung gegen die immer wieder aufflammende Afrikanische Schweinepest beitragen“, so die Ministerin.
Die Afrikanische Schweinepest ist nach derzeitigem Wissen für den Menschen ungefährlich. Befallene Schweine verenden an ihr allerdings in kurzer Zeit und unter erheblichen Qualen.

 

Quelle: PM des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten vom 28. November 2020, München

 
 
 
 
 
 

Regenerative Landwirtschaft – das bessere Bio oder Humbug?

regenerative Landwirtschaft.
am Freitag, 27.11.2020 - 10:59

Was ist eigentlich regenerative Landwirtschaft? Diese Frage können sicherlich auch viele Landwirte nicht auf Anhieb beantworten.

 
 

Also eine neue Mode? Eher nicht, muss man sagen – denn das Konzept kommt – wie so vieles neue – aus Amerika und ist schon 50 Jahre alt. Aber auch in Deutschland hat die Idee der regenerativen Landwirtschaft schon etliche Anhänger gefunden.

Also was steckt nun dahinter: Einer der Erfinder ist der US-Amerikaner Robert Rodale, der das Konzept in den 1970ern in den USA entwickelt hat und zu diesem Zweck das Rodale Institute betreibt und auch Christine Jones aus Australien. Der landwirtschaftliche Ansatz wird in USA mit dem Slogan „Put the carbon back to soil“ beschrieben.

Es geht also um die Anreicherung des Bodens mit organisch gebundenem Kohlenstoff (Humus). Klar ist aber: Humusaufbau ist ein langwieriger und aufwendiger Prozess. Der größte Teil des eingebrachten Kohlenstoffs wird nämlich relativ schnell wieder abgebaut und als Kohlendioxid (CO2) freigesetzt. Nur ein kleiner Teil bleibt im Boden und wird langfristig gespeichert.

Und hier gibt es eine Erkenntnis des Thünen-Instituts, die der regenerativen Landwirtschaft widerspricht. Verkürzt gesagt: Die pfluglose Bodenbearbeitung bringt nichts für den Humusaufbau – der Anbau von Zwischenfrüchten schon. Auch eine wissenschaftliche Bestätigung der möglichen Vorteile der Methoden regenerativen Bewirtschaftung gibt es bislang ebenfalls noch nicht – jedenfalls nicht von offizieller Seite.

Etwa 50.000 Hektar regenerative Landwirtschaft in Deutschland

landwirte auf dem feld.

Aber zurück zur regenerativen Landwirtschaft. In diesem Jahr wurde auf dem Farm & Food-Kongresses im Januar 2020 intensiv über das Thema diskutiert: „Die regenerative Landwirtschaft ist eine Landnutzungsform, bei der wir versuchen, über die Nutzung den Boden zu verbessern und die Biodiversität zu erhöhen. Anstatt nur die Symptome unseres vorherrschenden Produktionsmodells zu bekämpfen oder zu vermeiden, können wir versuchen, über Technologie auch die Ursachen zu verändern”, sagte Benedikt Bösel auf dem Farm & Food-Kongress.

Bösel ist Geschäftsführer des Landwirtschaftsbetriebes Schlossgut Alt Madlitz in Brandenburg. „Wir versuchen, neue Methoden umzusetzen und zu sehen, wie sie funktionieren und wie wir sie skalieren können”, erklärt Bösel. Viele Landwirte, die so denken wie Bösel gibt es jedoch nicht in Deutschland. Nach derzeitigen Schätzungen werden hierzulande etwa 50.000 Hektar nach den Prinzipien des Regenerativen Ackerbaus bewirtschaftet – dabei handelt es sich sowohl um ökologische, als auch um konventionelle Betriebe. Ökobauern bewirtschaften dagegen 1,6 Millionen Hektar - das sind immerhin 10 Prozent der Gesamtfläche.

Zu den Pionieren und bekanntesten Praktikern der regenerativen Landwirtschaft In Deutschland zählen derzeit: Friedrich Wenz aus Baden-Württemberg, Dietmar Näser aus Sachsen und Ingrid Hörner aus Hessen. Friedrich Wenz ist ein Demeter-Landwirt – also Ökobauer. Sein Betrieb arbeitet seit Jahrzehnten viehlos und auch pfluglos. Dietmar Näser ist selbständiger Pflanzenbauberater und Ingrid Hörner bewirtschaftet ebenfalls einen landwirtschaftlichen Betrieb. Sie beschäftigt sich mit der Rekultivierung von landwirtschaftlichen Flächen nach baulichen Veränderungen.

Regenerativ: Humusanreicherung, Zwischenfrüchte – und Komposttee

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Ziele des Regenerativen Ackerbaus sind: Die Aktivierung und Stärkung des Bodenlebens und die natürliche Humusanreicherung. Dazu gehört auch eine möglichst ganzjährige Begrünung des Ackers. Das erfolgt vor allem über Untersaaten in Hauptfrüchten wie Getreide, Mais oder Raps. Auch der Zwischenfruchtanbau wird als wichtige Möglichkeit gesehen, die Bodenbedeckung zu verlängern.

Angestrebt wir eine flache Einarbeitung der Zwischenfrüchte – die sogenannte Flächenrotte. Die von Näser und Wenz empfohlenen Untersaaten sind Mischungen von Gräsern, Körnerleguminosen und Kreuzblütlern. Ziel der Maßnahmen ist eine Verminderung von Nährstoffverlusten –  etwa durch Nitratauswaschung, die Unterdrückung von Unkräutern und eine bessere Pflanzengesundheit. Ein Ergebnis alle dieser Maßnahmen soll die deutliche Reduzierung (oder auch ein Verzicht) von Pflanzenschutz und Dünger sein. Außerdem wird ein Verzicht von Herbiziden angestrebt.

Zum Regenerativen Ackerbau gehört nach Aussagen von Wenz außerdem der Einsatz von Pflanzenfermenten, sogenannten Rottelenkern. Dabei handelt es sich um einen vergorenen Sud aus Acker- und Gartenkräutern sowie den Triebspitzen verschiedener Sträucher. Diese werden beim Einarbeiten der Zwischenfrucht ausgebracht, anfangs bis zu einer Menge von 100 Litern pro Hektar.

Zum Einsatz kommt außerdem auch sogenannter Komposttee. Dieser wird aus Kompostmaterial hergestellt, dessen Mikroorganismen in warmer Melasse und Wasser stark vermehrt werden. Insgesamt sollen sich mit der regenerativen Landwirtschaft jährlich 0,1 bis 0,2 Prozent Humus aufbauen lassen, ist die Erfahrung von Friedrich Wenz. Das entspräche einem Speicherungspotenzial von ca. 8 bis 15 t/ha CO2.

Die wissenschaftliche Bestätigung der angestrebten Ziele und angewandelten Methoden steht allerdings noch aus. Das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg in Baden-Württemberg ist jedoch dabei die Maßnahmen der Regenerativen Landwirtschaft hinsichtlich der pflanzenbaulichen und ökologischen Wirkungen wissenschaftlich zu untersuchen. Dabei wird auch Förderwürdigkeit der regenerativen Landwirtschaft bzw. einzelner Maßnahmen geprüft.

Der Boden soll sich selbst regulieren

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Biobauer-Wenz betont: "Den Boden sollte man in der regenerativen Landwirtschaft nur wenn nötig und dann sehr flach bearbeiten. Besonders geeignet seien dafür Geräte wie die Fräse oder der Schälpflug." Eine Ausnahme stelle aus seiner Sicht lediglich die Tiefenlockerung dar. "Eine tiefe und wendende Bearbeitung hingegen würde das Gefüge zerstören und dem Humusaufbau entgegenwirken", sagt Wenz. Die Empfehlung ist also eindeutig: pfluglos!

Dagegen sollen eine dauerhafte Begrünung und die geringe Bearbeitungsintensität es den Bodenlebewesen ermöglichen, sich störungsfrei zu entwickeln. Verdauen Regenwürmer, Bakterien, Pilze und andere Bodenorganismen organisches Material, machen sie nicht nur Nährstoffe pflanzenverfügbar, sondern sie sorgen dabei auch für Humusaufbau, sagen die Pioniere der regenerativen Bodenbearbeitung.

Entscheidend für eine Humusmehrung ist nach Ansicht von Friedrich Wenz zudem, dass Pflanzen und Bodenlebewesen gut zusammenwirken. Die Bodenorganismen erhalten den Kohlenstoff nämlich nicht auschließlich aus Ernteresten, Zwischenfrüchten oder Wirtschaftsdüngern –  sondern auch aus Wurzelabsonderungen lebender Pflanzen, sagt der Biobauer.

Friedrich Wenz erklärt den Ansatz des Systems so: „Die regenerative Landwirtschaft versucht den Problemen über eine gesunde Krume entgegenzuwirken.Unser Job als Bauer ist es, die Rahmenbedingungen zu schaffen, dass sich der Boden selbst regulieren kann. Denn wenn man das Bodenleben ins Gleichgewicht bringt, haben es auch Unkräuter schwerer.

Keine verbindlichen Regeln – aber wirtschaftliche Vorteile?

Einheitliche und verbindliche Regeln, wie regenerative Landwirtschaft auszusehen hat, gibt es (bisher) in Deutschland nicht, sagen die Begründer des Verfahrens. Jeder Landwirt muss also für seinen Betrieb seinen eigenen Weg finden. Dabei verzichten Biolandwirte ja ohnehin auf synthetischen Pflanzenschutz und Dünger. Ein konventioneller Bauer der das Verfahren anwendet kan jedoch auch weiterhin damit arbeiten, wenn er es für nötig hält, fügt Wenz hinzu.

Nach Aussagen von Friedrich Wenz ist es bisher auch nicht geplant, Produkte aus regenerativer Landwirtschaft mit einem einheitlichen Label zu kennzeichnen, wie man es etwa von Bioerzeugnissen kennt. „Wir stehen gerade erst am Anfang einer dynamischen Entwicklung, und wollen alle mitnehmen und Grabenkämpfe vermeiden“, begründet Wenz das Vorgehen. Ein Label, das starre Richtlinien vorschreibt, stehe diesem Ansatz eher im Wege, glaubt er.

Den wirtschaftlichen Vorteil des Konzepts der regenerativen Landwirtschaft sieht Wenz darin, die Kosten für Pflanzenschutz und Düngung zu senken und durch fruchtbare Böden hohe und stabile Erträge zu erwirtschaften – und das auch bei zunehmenden Wetterextremen.

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